Azienda Agricola Fabiana

Der letzte Feinschliff!

Bei unserem Besuch bei der Familie Barulli von der Azienda Agricola Fabiana, konnten wir miterleben, wie der letzte Feinschliff vor der Ernte vorgenommen wird. Michele, der Junior-Chef, fährt mit uns zu seinen Weingärten. Seine Mutter arbeitet gerade am ausdünnen der Reben. Anna, wie Micheles Mutter heisst, ist eine sehr sympatische und schlanke Frau. Es ist über 36° warm. Trotzdem arbeitet sie sorgfältig und mit viel Liebe an jeder einzelnen Rebe. “Es ist sehr wichtig, dass wir nur die schönsten Trauben für unseren Wein nehmen”. Sie hat ein geübtes Auge. Die Barullis produzieren Wein schon in der dritten Generation.

fabianaAusdünnenUns blutet fast das Herz. Solch schöne Trauben einfach wegschneiden? Michele lacht. Er erklärt uns, dass sein Vater Antonio und er grossen Wert auf die Qualität legen. Darum sei es wichtig, auf ca. 30% der Ernte zu verzichten. Er sagt: “Das bemerken Sie spätestens beim trinken unserer Weine.”

Nach dem Rebschnitt und dem Jäten ist das Ausdünnen knapp vor Reifebeginn die letzte Möglichkeit, um den Ertrag der Rebstöcke auf ein qualitativ wie wirtschaftlich sinnvolles Niveau zu reduzieren.

Dabei schneidet kein Winzer gerne knapp vor dem “Endspurt” des Weinjahres Trauben auf den Boden. Schließlich hat er bis dahin viel Mühe investiert, um den Weinstock und die Trauben zu hegen und zu pflegen.

Jahrhundertelang stand die Ertragssteigerung und vor allem die Ertragssicherheit im Weinbau im Vordergrund. Fast alle Veränderungen (viele, aber nicht alle davon waren bzw. sind Verbesserungen) im Bereich der Rebvermehrung und -züchtung, bei den Erziehungssytemen, im Pflanzenschutz, bei der Bodenbearbeitung, der Düngung, etc. zielten auch oder vor allem auf höhere und/oder gleichmäßigere Erträge ab.

Seit vergleichsweise kurzer Zeit steht aber heutzutage bei den Weintrinkern – und damit zwangsläufig auch bei den Weinbauern – nicht mehr die Menge im Vordergrund, sondern die Qualität. Die Weine aus Apulien galten lange Zeit als durchschnittliche aber preislich interessante Weine. Viele Weinbauern, so wie die Barulli’s, haben dies jedoch drastisch geändert. Sie wollen vor allem qualitativ hochstehende Weine produzieren.

Der Primitivo di Manudria Calidus, DOC ist sicherlich der “Top-Wein” der Barullis. Antonio Barulli sagt jedoch ganz Stolz: “alle unsere Weine sind gut”, erzählt uns auch voller Stolz, warum der andere Primitivo, Nonna Cecca heisst. Er habe ihn mit viel Liebe produziert. Heissen tut er wie seine Grossmutter, welche Antonio über alles geliebt hat. Eben, “Nonna Cecca”.

Heute möchten Weinliebhaber und Weintrinker gerne wissen, was sie trinken. Wir von Apulia wollten nicht einfach Weine importieren. Wir wollten die Menschen und Ihre Geschichten kennenlernen. Wir wollten Ihre Phylosophien in der Produktion kennenlernen. Wir suchten das Besondere. Wir suchten Produkte, wo wir voll und ganz dahinter stehen können. Wir wollten sehen wo diese Produkte wachsen. Wie diese gepflegt werden. Wie diese behandelt werden.

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Von links: Fabiana, Antonio, Anna und Michele Barulli

An einem Sonntag gingen wir mit der Familie Barulli ans Jonische Meer essen. Natürlich in ein Restaurant, welche die Fabiana Weine im Sortiment haben. Hervorragende Weine. Gespannt waren wir auch auf einen ganz besonderen Wein. Antonio sagt uns: “Der hat noch keinen Namen. Ich möchte ihn nicht einfach Moscato oder Prosecco nennen, denn da gibt es so viele qualitativ durchschnittliche Weine, enorme Unterschiede zu unseren zwei Weissen.” Der “ohne Namen” hatte auch keine Etikette. “Wir produzieren ihn schon bald”, sagte mir Antonio. Es gibt ihn in “leicht süss” und in “Brut”. Wir haben beide getrunken und waren von beiden begeistert und sprachlos. Prosecco? Moscato?

Beide Weissweine haben eine leichte, so genannte natürliche Kohlensäure, d.h. jene, die während der Gärung aus den Hefezellen in den Wein diffundiert. Ist in einer extrem kleinen Blasenform im Wein vorhanden und insofern ist sie auch fester eingebunden und präsentiert sich feinperliger als die zugesetzte Kohlensäure.

Wir freuen uns jetzt schon auf diese 2 neuen “Schätze”. Vielleicht dann schon mit einem Namen? Bei uns am Tisch tauften wir ihn ganz einfach “senza parole”. Sprachlos!

Der Weinliebhaber möchte Qualität. Dieser radikale Wandel der Kauf- und Konsumgewohnheiten erforderte eine entsprechende Anpassung der Weingärten, die aber nicht von heute auf morgen erfolgen konnte. Viele Jahre arbeiten die Barulli’s nun schon an gleichmäßig niedrigeren Erträgen bei hoher Qualität.

Antonio betont nochmals, dass es sehr wichtig und notwendig ist, um die von den Weinkonsumenten geforderte Qualität erzielen zu können, einen Teil der Trauben knapp vor Reifebeginn wegzuschneiden, damit die verbleibenden besser ausreifen und eine höhere Qualität erreichen können.

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Wunderschöne und gepflegte Reben

Abschliessend sagt er uns, “ihr Seid die einzigen die unseren Wein in der Schweiz vertreibt. Versichert Euren Kunden, dass wir ehrliche und gute Weine produzieren, eigentlich schon fast Bio. Wir achten extrem darauf, was wir im Weinbau einsetzen. Sagt den Kunden, dass guter Wein auch etwas mehr kosten darf. Sagt Ihnen, dass Antonio Barulli und seine Familie für die Qualität der “Fabiana” Weine immer gerade stehen werden.

Das machen wir gerne, Antonio.

Auch wir waren begeistert, nicht nur von den Weinen sondern von Eurer Gastfreundchaft und Eurer professionalität gepaart mit der Liebe für Euren Wein. Danke!